Erste Risse bei Vereinbarung: Ölpreise verunsichert

09.04.26 • 10:33 Uhr • HeizOel24 News • Janin Wordel

Nach dem deutlichen Preisrückgang zur Wochenmitte legt der Ölmarkt erstmal eine Verschnaufpause ein. Die Notierungen bleiben unterhalb von 100 US-Dollar, setzen den Rückgang aber nicht weiter fort. Stattdessen zeigt sich eine leichte Gegenbewegung. Hintergrund ist die Waffenruhe im Nahen Osten, die zwar für Entlastung gesorgt hat, deren Bestand jedoch nach kurzer Zeit schon wieder bröckelt. Die Heizölpreise in Deutschland, Österreich und der Schweiz ziehen am Vormittag zum Teil wieder leicht an.

Am Weltmarkt ist die erste Reaktion auf die von USA, Israel und Iran vereinbarte Feuerpause inzwischen verarbeitet. Nach dem deutlichen Preisrückgang notiert Brent bei rund 98 US-Dollar je Barrel, WTI bewegt sich auf einem ähnlichen Niveau. Auch Gasöl hat sich von den Tiefständen gelöst und liegt wieder oberhalb von 1.300 US-Dollar je Tonne.

Ausgangspunkt für den Preisrückgang bei Rohöl war die politische Kehrtwende in letzter Minute. Noch kurz vor Ablauf eines Ultimatums hatte US-Präsident Donald Trump Angriffe auf zentrale Infrastruktur im Iran in Aussicht gestellt und die Tonlage spürbar verschärft. Mit dem Fristende wurden diese Pläne dann ausgesetzt. Gleichzeitig machte Trump deutlich, dass die militärische Option bestehen bleibt und im Zweifel ausgeweitet werden kann.

Als Grundlage dient der von Teheran vorgelegte Zehn-Punkte-Plan, den die USA als Basis für weitere Verhandlungen akzeptiert haben. Er sieht unter anderem ein sofortiges Ende aller militärischen Angriffe in der gesamten Region vor, nach iranischem Verständnis ausdrücklich auch im Libanon. Darüber hinaus fordert der Iran Sicherheitsgarantien, die Aufhebung von Sanktionen, den Abzug ausländischer Truppen sowie wirtschaftliche Zugeständnisse. Gleichzeitig hält Teheran an seinem Recht zur Urananreicherung fest und knüpft jede eigene Zurückhaltung unmittelbar an ein vollständiges Ende gegnerischer Operationen.

Schon kurz nach der Einigung zeigen sich jedoch erste Risse. Teheran wirft den USA vor, zentrale Punkte des vereinbarten Rahmens bereits verletzt zu haben. Genannt werden fortgesetzte Angriffe im Libanon trotz zugesicherter Waffenruhe, ein Drohnenvorfall im iranischen Luftraum sowie ungelöste Differenzen beim Atomprogramm.

Vor allem die jüngsten israelischen Luftangriffe im Libanon mit zahlreichen Todesopfern lassen die Basis für weitere Verhandlungen bröckeln. Aus iranischer Sicht sind damit die Voraussetzungen der Vereinbarung nicht mehr erfüllt. Die Feuerpause könne nur Bestand haben, wenn die Kampfhandlungen in der gesamten Region eingestellt werden. Da dies nicht der Fall ist, wird auch die zugesagte Öffnung der Straße von Hormus wieder zurückgenommen.

Die Auswirkungen zeigen sich im Schiffsverkehr. Die Passage durch die Meerenge bleibt stark eingeschränkt. Statt der üblichen rund 130 Durchfahrten pro Tag verließen nur vereinzelte Tanker die Region, während sich weiterhin hunderte Schiffe im Persischen Golf stauen. Viele Reedereien warten ab und wollten ihre Routen erst wieder aufnehmen, wenn verlässliche Sicherheitszusagen vorliegen. Das ist mit der erneuten Schließung der Meerenge passé.

Trotz der Bemühungen um friedliche Lösungen bleibt die Situation aufgeladen. Die eingeschränkten Transportmöglichkeiten und die anhaltenden militärischen Risiken verhindern eine nachhaltige Beruhigung des Marktes. Unterstützung erhält das Preisniveau zusätzlich von fundamentaler Seite. Der aktuelle Monatsbericht der US-Energiebehörde EIA signalisiert für das laufende Jahr erstmals wieder eine mögliche Unterversorgung, was auf die angespannte Versorgungslage zurückzuführen ist.

Im Inland wird die gestrige Entlastung vorerst nicht fortgesetzt. Zwar bleibt das Preisniveau deutlich unter dem vom Wochenauftakt, dennoch drehen die Heizölpreise am Vormittag vorerst wieder nach oben. In Deutschland liegt der durchschnittliche Heizölpreis aktuell bei rund 1,41 Euro je Liter, das sind etwa vier Cent mehr als der gestrige Tagesdurchschnitt. Die Nachfrage zeigte sich am Mittwoch mit dem starken Rücksetzer leicht beflügelt und wer tanken musste, begrüßte den plötzlichen Richtungswechsel.

In Österreich liegt Heizöl aktuell bei rund 1,87 Euro je Liter, in der Schweiz bei knapp 1,46 Franken je Liter. Für Verbraucher bedeutet das: Die Preise liegen weiterhin unter dem Niveau der Vortage, gleichzeitig deutet sich mit der verdichteten Nachrichtenlage an, dass die Ausbaufähigkeit der jüngsten Abwärtsbewegung fragil ist.

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